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Trilogie
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Teil I: Der vollgewichste Russenstiefel

Spieldauer: 90'

Stellen Sie sich vor, es ist Sonntag. Sie sind nach einem vorzüglichen Abendessen und einem unverhofft darauf folgenden Absturz in einer Bar spät aufgestanden, stehen schlaftrunken vor dem Spiegel und fragen sich, ob dieses zerknitterte Gesicht im Kranz struppeliger Haare wirklich Ihnen gehört. Durch das Fenster ödet ein dunkler Himmel herein, und auch wenn es schon nicht regnet, wird es heute nie richtig hell werden.

Dieser Zustand beschreibt am Besten die verworren-verlorene Situation von Ulrika, die der Regisseur versteht in ein klaustrophobisch beklemmendes Ambiente zu setzen, bevor er beginnt mit geradezu psychoanalytischer Genauigkeit das Innenleben der jungen Frau auf die Leinwand zu bringen. Ulrikas Gefühlswelt wird zur Spielwiese unerfüllter Männerphantasien, in der ihr Leben immer mehr zwischen Wirklichkeit und Bodenlosigkeit verloren geht, bis der Pegel in einer Art audiovisuellem Nirvana zum Stillstand kommt und im kolossalen Rausch der Bilder und Töne von der Leinwand schwappt.

Die anderen Charaktere, welche sich in der Klaviatur großartigen Schauspiels der intellektuellen Exaltiertheit der Hauptdarstellerin unterordnen, werden langsam in das Netz der Geschichte eingewoben. Grandios versteht es der Regisseur durch einen leichten Zug an der Spinnenwabe der Beziehungen die Koordinaten des intrigenlastigen Spiels zu verschieben. Dabei liefert er stets im richtigen Maß die nötigsten Informationen, um den Zuschauer nicht zu verlieren auf dieser sinngewaltigen Fahrt durch die menschliche Psyche und die Abgründe der mitunter trivial wirkenden Abartigkeit der weinerlichen Inbrunst einer bereits überkommenen Gesellschaft.

Schiffy Madagaskars Regiedebüt kam 1997 in die Programmkinos und gilt immer noch als Geheimtipp deutschen Autorenkinos. Der zweite Teil der geplanten Trilogie heißt "Die kalte Hand im Nacken des Bahnwärters" und wurde im letzte Jahr einem verstörten Berliner Premierenpublikum vorgeführt.

weiter mit Teil II: Die kalte Hand im Nacken des Bahnwärters